Sprachwissenschaft zwischen Geschichte, Kognition und Gegenwart
- Werner

- 29. Dez. 2025
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Fabian Fleissner maturierte 2007 im Euro-Zweig des Ramsauergymnasiums – in einer Zeit, in der Europa noch als Zukunftsversprechen galt. „Europäische Integration gehörte damals zum guten Ton“, erinnert er sich, „Europa war ein Versprechen, keine Krisenerzählung.“
Der oft zitierte Rat „Studier, was dich interessiert“ erwies sich für ihn als richtig. Nach der Matura studierte er Germanistik und Indogermanistik an der Universität Wien mit Schwerpunkt auf Sprachgeschichte und älterer Literatur. In der anschließenden Doktoratsphase war er als Universitätsassistent am Institut für Germanistik tätig, arbeitete im Projekt „Deutsch in Österreich (DIÖ)“ sowie als Lexikograph am „Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ)“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seine Dissertation zum althochdeutschen und altsächsischen Tempussystem wurde mit dem Förderungspreis der Wiener Sprachgesellschaft ausgezeichnet.
Nach dem Doktorat führte ihn sein Weg als Postdoktorand an die Universität Neuchâtel in der Schweiz. Die internationale Wissenschaft brachte ihn an zahlreiche Universitäten in Europa – unter anderem nach Potsdam, Genf, Klagenfurt und Wien. „Als Wissenschaftler ist man ein Zugvogel“, sagt Fleissner, „eine bereichernde Erfahrung, aber eine Lebensform, die man wirklich mögen muss.“
Heute ist Fabian Fleissner Senior Lecturer an der Universität Wien. Sein wissenschaftliches Interesse hat sich von der klassischen Philologie hin zur Grammatiktheorie verlagert. Im Zentrum seiner Arbeit stehen die kognitiven Muster, die Sprache strukturieren – und damit auch unser Denken. „Linguistik galt lange als Orchideenfach“, so Fleissner, „mit KI und Sprachmodellen rückt sie nun wieder ins Zentrum der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit.“
An seine Schulzeit am Ramsauergymnasium erinnert er sich überwiegend positiv. Besonders prägend war für ihn der Deutschunterricht: „Ich hatte das Glück, Lehrerinnen und Lehrer zu erleben, die auf meine Interessen eingegangen sind – und mir zur richtigen Zeit die nötigen Tritte in die richtige Richtung gegeben haben.“ Rückblickend sei diese Zeit vor allem durch eines gekennzeichnet gewesen: „Ein Maß an geistiger Freiheit, das man erst später richtig zu schätzen lernt.“




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